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Geschichtliches über Kirchdaun
(mit besonderem Dank an Hilla Schneider)

 

Erste Erwähnung
Man schrieb das Jahr 1131 im März als Papst Innozenz II dem Bonner St.Kassiusstift als Stiftsherren, den vierten Teil einer Stiftung in der Kirche zu Duna bestätigte.Diese Erwähnung einer Kirche in „Duna“ (Kirchdaun) läßt darauf schließen, dass es sich hier um einen Ort im Sinne einer Siedlung handelte. Bereits 1117 wurde zwar ein „locum Dune“ erwähnt, als für die Gründung der Probstei auf dem Martinsberg (heute: Apollinarisberg) Remagener Bürger verschiedene Güter stifteten, worunterauch ein Acker „gelegen am Weg zum locum Dune“ aufgeführt ist. Hieraus wird jedoch nicht klar ob diese Bezeichnung „locus“ (der Ort) einen Ort im Sinne einer Flurbezeichnung oder eines Dorfes meint. Wahrscheinlich ist mit dem „locus Dune“ der Scheidskopf gemeint, der 1465 „am Dhaukoppen“ genannt wird, später mit „Daukopf“ und im 19.Jahrhundert mit Scheidskopf bezeichnet wird.

Herkunft des Namens
Den Ortsnamen kann man wohl auf keltische oder gallorömische Wurzeln zurückführen. Berg- oder Flurnamen gehören zur ältesten Namensschicht und werden meist von neu einwandernden Völkern oder Stämmen übernommen. Das Wort „Dunum“ in der keltischen Bedeutung von Burg oder eingezäunter, geschützter Bereich läßt sich bei vielen Ortsnamen nachweisen. Auf dem Scheidskopf bestand eine dieser Fliehburgen, in die sich die in der Umgebung wohnende Bevölkerung mit ihrer Habe und ihrem Vieh flüchteten, wenn sie von Feinden bedroht wurden.

Frühere Besiedelung
Aus römischer Zeit sind in der Gemarkung Kirchdaun zwei Siedlungsstellen bekannt, wahrscheinlich Landgüter, beide in unmittelbarer Nähe einer Quelle. Die erste Siedlung kam bei der Anlage des „Bolzplatzes“ (Am Weißenberg), etwa 250m östl. der Ortsmitte Kirchdaun zu Tage, die zweite in einem Acker etwa 450 m östl. der Ortsmitte Kirchdaun. Wenn auch für Kirchdaun eine römerzeitliche Besiedlung nachgewiesen ist, so hat diese doch als wahrscheinlich Einzelgehöft nie einen Namen gehabt. Zur damaligen Zeit trugen nur Kastelle oder dörfliche oder städtische Siedlungen einen Namen.

Raststätte Kirchdaun
Über tausend Jahre hindurch lag Kirchdaun an der damals wichtigsten und verkehrsreichsten Straße, die sogenannte Krönungsstrasse oder Heerstraße Frankfurt-Aachen, auf der viele gewählte deutsche Könige zu ihrer Krönung nach Aachen reisten. Nachdem in beschwerlichem Aufstieg von Bodendorf her auf dieser Straße die Höhe erreicht wurde, fanden Pferde und Reiter in Kirchdaun die ersehnte Rast. Mit dem Charakter dieser Straße als Heerstraße hängt es auch zusammen, dass Kirchdaun befestigt, d.h. mit Wall, Graben, Zäunen und Hecken umgeben und mit verschließbaren Toren ausgestattet war. An die Rolle dieser Straße erinnert noch heute die Zufahrt zu dieser Straße, der „Königsgraben“

Wechsel der Herren im Lauf der Jahrhunderte
Im Jahr 1272 erwarb Gerhard III von Landskron von den Klöstern Hamborn und Füssenich Güter in „.....Kirchdaun mit allen daran haftenden Rechten“. Bereits vorher hatte Gerhard II. Kirchdaun und Gimmigen, die an das Gebiet der Landskron angrenzten von Gerhard von Bad Neuenahr in Pfandbesitz erhalten. Nachdem dieser 1252 von den Grafen Landskron weiteres Geld entlieh, wurde eine Rückübertragung immer unwahrscheinlicher. Bis in die Zeit der französischen Revolution sollten die Herren von Landskron Besitzer und Grundherren von Kirchdaun sein, wenn sich auch die Namen der Besitzer änderten. Nach dem Tode Gerhards IV. im Jahr 1369 endete die männliche Nachkommenschaft der von Landskron. Sein Schwiegersohn Friedrich von Thomberg und dessen Frau Kunigunde erbten nun Kirchdaun. Von diesen fiel Kirchdaun und Gimmigen an die Quadt von Landskron, dann an die von Brempt und nachfolgend an die von Clodt. 1638 ging Gimmigen an den Herzog von Jülich und wenig später erwarb dieser auch Rechte in Kirchdaun. Darüber wird in einer Sinziger Kellnerei-Rechnung folgendes berichtet: „Kirchdaun ist ein Gerichtsdorf von ungefähr 16 Häusern unweit Landskron gelegen, es hat einen besonderen Gerichtszwang in Vogt, Schultheiß und Scheffen bestehend, ist Ihre Dhlt. pfandschaftlich und dem Herrn von Landskron pro indiviso (ungeteilt) zuständig, weilen den 2ten aprilis 1642 demselben eingeräumt“ Kirchdaun mußte an Abgaben 30 Taler und 64 Alben aufbringen, der Herzog von Jülich und der Freiherr von Brempt bzw. von Clodt erhielten je die Hälfte. Der Zehnt wurde alljährlich verpachtet.

Was ist ein Collationsrecht und was sind Churmuten?
Das Collationsrecht bedeutet das Recht die Pfarrstelle zu besetzen. Wie allgemein üblich, hatten die Hauptzehntinhaber oder der Inhaber des Collationsrechtes auch für die Belange der Kirche zu sorgen. Dies waren jeweils die Besitzer der Landskron und zu einem Viertel später der Herzog von Jülich. Um an diese Verpflichtung zu erinnern, schrieb der Landskronische Rentmeister am 22.August 1757:
Hochgeborener Freyherr und gnädiger Herr! Das letzt gewesene Donnerwetter und dabey gefallener schwerer Hagel hat zur Kirchdung an der Kirche sonsten 66 Rauthen zerschlagen, zu welcher Reparation sich die Kirchdunger bei mir gemeldet haben, solches aber von Ew. Gnaden schuldigst berichten muß und dieselben bescheidet, gleichwie nun die hochehrw. Abtissin zu Gerresheim als Patron hiesiger Pfarrkirche im Jahre 1743 dergleichen vorgegangenen Schaden mit 40 Reichstaler zahlen muß als wird Ew. Hochwohlgeboren obigen Schaden zu tragen ebenmäßig obliegen.“
„Churmuten“ spielten namentlich in Kirchdaun eine besondere Rolle. Als Relikt der ehemaligen Leibeigenschaft blieb die Churmut oder Kurmut d.h. nach dem Tode eines Pächters mußten seine Erben die angegebene Churmut (Maut, Steuer) an den Hofherren bezahlen, um das in Frage stehende Grundstück oder den Hof weiter bewirtschaften zu dürfen. Diese Kurmut mußte im Weisweiler Hof abgegeben werden.

Pfarrhaus
Der Weisweiler Hof war wahrscheinlich dort, wo das jetzige Pfarrhaus 1772-1774 erbaut wurde. Das frühere Pfarrhaus lag bis in den 30jährigen Krieg hinein der Kirche gegenüber an der Stelle der alten Schule. Da es aber in den schwedischen Kriegen nach 1630 verwüstet und dann abgebrochen wurde, kaufte man 1663 mitten im Dorf das alte Zehnthaus mit Hof und Scheune für den Pfarrer. Als Verpflichtung übernahm er „jährlich 4 Quart Wein zu geben und das Hofgeding in seinem Pfarrhof zu dulden.“ Dafür sollte er bei der Aufstellung der Schultheißen und Schöffen genausoviel Macht haben wie die beiden Landesherren zusammen. 1743 klagte Pfr. Claudiani, daß er 1731 in Kirchdaun einen Stall als Pfarrhaus angetroffen habe, dass er noch darin wohne und bald die Reparatur desselben wünsche. Doch die Pfarrkinder wollten nicht und er lag mit ihnen ohne Erfolg im Streit. Erst dem Nachfolger war es beschieden, 1772/74 das heutige Pfarrhaus zu bauen. Bereitwillig hatte Frh. von Clodt 400 Taler geliehen, die bis 1797 abgetragen wurden.

Die erste Schule
Als das erste Pfarrhaus aufgegeben und abgerissen wurde, baute man 1680 an seinen Platz die erste Schule. Erst 1736 wurde ein Lehrer genannt, der aber vom Pastor abgesetzt wurde, weil er nichts leistete. Seit 1738 gab es einen neuen Lehrer, der gleichzeitig auch Küster war. Als Gehalt erhielt der Lehrer und Küster von jedem Haus der Pfarrei 4 Brote. Die Schule verfiel und der Unterricht fand im Haus des Lehrers statt. Im Winter hatten die Gimmiger ihre eigene Schule und die Niedernierendorfer, die ja schon 1752 von Kirchdaun loswollten schickten ihre Kinder nach Obernierendorf zur Schule. „Da nun wenig Schulkinder in Kirchdaun sind, darum wird die Schule nicht geachtet.“ Man beschloß, die Eltern des Kirchspiels anzuhalten, ihre Kinder vom 6.-12.Lebensjahr wenigstens von Allerheiligen bis Ostern in die Schule zu schicken und dem Pfarrschulmeister das gewöhnliche Schulgeld zu bezahlen. 1890 erhielt Kirchdaun eine neue Schule. 1894 wurde der Küsterdienst von der Lehrerstelle getrennt.

Pfarrkirche St.Lambertus
Wenn in der ersten Erwähnung von Kirchdaun 1131 auch die Rede ist von einer Stiftung in der Kirche zu Duna, so wird auch gewiß ein Gotteshaus dort gestanden haben, wenn wir auch nichts über dessen Größe wissen. 1322 wurde von Erzbischof von Durazzo, Mattaeus sowie elf anderen Bischöfen ein Ablaß verliehen, vielleicht um den Neubau des Chors der Kirche verwirklichen zu helfen. Patron der Kirche war damals wie heute der hl.Lambertus. Da die alte Kirche 1743 als verfallen und 1747 als sehr reparaturbedürftig bezeichnet wird, ließ Benedikt v.Clodt der als Kollator für die Unterhaltung des Schiffes zu sorgen hatte, dies abreißen und 1748 neu aufbauen. Durch eine große Überschwemmung am 8.8.1842 litt die Kirche sehr und war in sehr schlechtem Zustand. Im Jahr 1903 endlich gründete Pfr.Gombert einen Sammelfonds für die Kirche, der im August 1906 erst 390 Mark betrug. Aber auch der neue Pfarrer war unermüdlich. Im März 1908 wurde das alte Schiff niedergelegt, Turm und Chor blieben stehen. Am 17.05.1908 war die Grundsteinlegung und am 25.10.1908 die Benediktion der neuen Pfarrkirche. 1921 wurde der baufällige Turm niedergelegt und ein neuer aufgeführt, der Chor wurde als kleine Seitenkapelle belassen. Die Ausmalung der Kirche übernahm 1923/4 Maler Carnot aus Köln.

 

Literatur:
 Geschichte der zum ehemaligen Ahrgaudekanat gehörenden Pfarreien der Dekanate Adenau, Ahrweiler und Remagen, bearbeitet von Pfarrer Peter Schug, Trier 1952 Kirchdaun und Gimmigen, Geschichte, Kultur und Sippenkunde von Professor Dr.Zepp, Bonn im Heimatjahrbuch für den Kreis Ahrweiler 1941 Herrschaft und Kirchspiel Kirchdaun von Gerhard Knoll im Heimatjahrbuch für den Kreis Ahrweiler 1980.

 

 

 

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